InterContinental Life
Mehr Licht!
Bei der „Luminale 2010“, vom 11. – 16. April, verwandelt sich Frankfurt in ein leuchtendes Kunstwerk.
„Die Farben sind Taten des Lichts, Taten und Leiden. In diesem Sinne können wir von denselben Aufschlüsse über das Licht erwarten. Farben und Licht stehen zwar untereinander in dem genausten Verhältnis, aber wir müssen uns beide als der ganzen Natur angehörig denken: denn sie ist es ganz, die sich dadurch dem Sinne des Auges besonders offenbaren will.“ (Johann Wolfgang von Goethe, „Zur Farbenlehre“)
Alle zwei Jahre geht in Frankfurt am Main das Licht an. Oder besser: die Lichter. Denn dann verwandelt sich die Bankenmetropole, die in Wahrheit auch eine Kulturhauptstadt ist, in ein leuchtendes Kunstwerk. Der Grund dafür ist auf den ersten Blick profan: Die Messe Frankfurt veranstaltet die „Light+Building“. Dort werden die neuesten Entwicklungen im Zusammenwirken von Architektur und Technik gezeigt. Die Messe ist selbstbewusst genug, dieser Show das Prädikat „Weltleitmesse“ zu geben. Und weil die Welt – jedenfalls ihre Spezialisten für Licht, Elektrotechnik, Architektur und Innenarchitektur – nach Frankfurt kommt, wird etwas Spektakuläres geboten.
Immer nach Torschluss auf dem Messegelände werden die Leuchtkunstwerke angeknipst. Im Jahr 2008 wurde der Altarraum des Doms in sphärische Rot-Töne getaucht, leuchtende Fische und blaue Putten schmückten die Alte Oper. In diesem Jahr haben Architekten, Designer, Künstler und Hochschulen 100 Lichtinszenierungen geschaffen, die unter das Leit-Thema „Licht und Musik“ gestellt wurden. Licht und Musik – ein Faszinosum nicht erst seit Erfindung der Glühbirne. Erinnert sei hier nur an Händels „Feuerwerksmusik“, die King George II in Auftrag gab.
Diese Biennale der Lichtkunst verdanken die Frankfurter einer gelungenen Marketingidee. Im Jahr 2002 fragte sich die Messe Frankfurt, wie sie die Öffentlichkeit für die Inhalte ihrer Messe „Light+Building“ („light“ wurde damals noch gemeinhin als Attribut im Zusammenhang mit kalorienreduzierten Lebensmitteln assoziiert) sensibilisieren könne. Die Lösung: Erst wenn die Menschen selbst sehen, welch erstaunliche Wechselwirkungen das Zusammenspiel zwischen Licht, Design und Architektur hervorbringen kann, werden sie sich dafür begeistern. Und sie waren begeistert. Nicht nur die Frankfurter selbst: Aus der ganzen Welt reisten mehr als 100.000 Besucher an, um die „Luminale 2008“ zu bestaunen.
Dass Frankfurts berühmtester Sohn, Johann Wolfgang von Goethe, ausgerechnet mit dem Satz „mehr Licht!“ sein Leben ausgehaucht haben soll, würde natürlich eine wunderbare Brücke schlagen. Doch leider ist der Satz umstritten: Sein Leibarzt Carl Vogel will ihn gehört haben. Doch war der Arzt im Moment des Todes gar nicht im Zimmer ...
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